Wie alles begann.....
Eigentlich hatte ich mit Flugsimulatoren für Flugzeuge nicht viel am Hut. Meine Welt waren Hubschrauber – und zwar im Kleinformat. Seit Jahren fliege ich RC-Helis und dachte: „Reicht doch, warum soll ich mich in ein virtuelles Flugzeug setzen?“
Mein Bruder sah das anders. Er war schon seit Jahrzehnten tief in der Fliegerei drin und hatte sich seinen eigenen Simulator zuhause hingestellt. Wenn ich ihn besuchte, durfte ich manchmal Platz nehmen. Was soll ich sagen? Viel konnte ich da nicht machen: ein bisschen am Steuerhorn wackeln, Knöpfe drehen, Schalter umlegen – und irgendwann hat irgendwas gepiept. Für mich war das eher Blinklicht-Disco mit Beep-Sound, als echtes Fliegen. Landen konnte ich sowieso keinen Flieger.
Kurz gesagt: Ich war eher der Passagier im Simulator, der hinten sitzt und die Aussicht genießt.
Und doch – auch wenn ich es damals nicht wahrhaben wollte – hat es mich jedes Mal ein Stück mehr beeindruckt. Ich habe den ganzen Fachjargon zwar nicht verstanden – SID, STAR, Heading, Altitude – das klang alles wie eine Fremdsprache. Aber ich habe gemerkt, wie viel Leidenschaft und Wissen mein Bruder da hineinsteckte. Und irgendwo im Hintergrund hat es in mir gearbeitet.
Der erste Funke
Aber wie es so ist im Leben: Manchmal erwischt einen der „Virus“ genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Zu meinem 50. Geburtstag bekam ich einen Gutschein für einen Helikopter-Simulatorflug. Dieses Mal saß ich nicht am PC, sondern in einer Bell – und zwar mit einem echten Piloten.
Das Gefühl, die Maschine zu steuern, war einfach unbeschreiblich. Ab da war klar: Da passiert gerade etwas mit mir.
Und dann kam’s noch dicker: Meine Firma lud mich in einen echten Pilotensimulator ein. Ja, genau – einer von diesen Teilen, in denen echte Linienpiloten trainieren. Ich weiß bis heute nicht, ob ich mich mehr über die Einladung oder über das Gefühl gefreut habe, plötzlich mal „richtig“ im Cockpit zu sitzen. Fakt ist: Spätestens da hatte mich der Virus voll erwischt.
Vom Bildschirm zum eigenen Cockpit
Natürlich wollte ich danach auch zuhause loslegen. Also habe ich meinen Bruder so lange bequatscht, bis er mir einen Simulator auf meinem PC installiert hat. Wir haben ein Wochenende eingeplant, Software gekauft, alles eingerichtet – und ich bekam eine Einführung ins Fliegen für Dummies.
Mit seiner Geduld und meinem Durchhaltevermögen konnte ich nach ein paar Monaten mit einer Cessna tatsächlich starten und landen. Für jemanden, der vorher nicht mal wusste, was „Altitude“ bedeutet, war das ein kleiner Sieg.
Aber irgendwann merkte ich: Nur mit Maus und Tastatur Schalter bedienen? Nee. Ich wollte echte Schalter, Drehregler und Knöpfe, die man auch spürt, wenn man sie bedient. Kurzum: Ich wollte ein Cockpit.
Geduld, Rückschläge und jede Menge Kabel
Damit begann mein Einstieg in den Cockpitbau. Und schnell habe ich verstanden: Dieses Hobby ist nichts für Leute, die schnell Ergebnisse wollen. Man braucht Zeit, Geduld und ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit. Und Geld – das darf man auch nicht vergessen.
Es gab Momente, da funktionierte rein gar nichts. Kabel falsch, Schalter ohne Wirkung, LEDs, die plötzlich streikten. Da sitzt man dann stundenlang und fragt sich: „Warum tue ich mir das eigentlich an?“
Aber dann – wenn nach viel Fluchen, Schrauben und Löten ein Schalter endlich das tut, was er soll – fühlt man sich wie der Held im eigenen Cockpit.
Heute
Ohne meinen Bruder wäre ich wahrscheinlich nie so tief in diese Welt eingetaucht. Aber dank ihm habe ich diesen Weg eingeschlagen. Und aus ein bisschen „Knöpfchen drücken“ wurde inzwischen ein richtiges Herzensprojekt: Der Bau eines Boeing 737 Homecockpits.
Und ja – ich gebe zu: Der Virus hat mich voll erwischt. Aber ehrlich gesagt: Das ist die schönste Krankheit, die ich je hatte.